Elternbeitragszuschuss wird gestrichen: Mutter zahlt 915 Euro im Monat
Ab 2027 fällt der staatliche Zuschuss von 100 Euro pro Monat für Kindergartenkinder weg. Julie Romic aus Eichenkofen muss dann für beide Kinder 915 Euro Kita-Gebühren zahlen – fast ihr komplettes Gehalt als Empfangskraft.
Landkreis – Die Reform des Bayerischen Kinderbildungs- und Betreuungsgesetzes soll ab 2027 die Finanzierung der Kindertagesstätten neu ordnen. Doch während der Freistaat von Bürokratieabbau und einer besseren Förderung spricht, herrscht bei Trägern und Eltern im Landkreis Erding vor allem eines: Unsicherheit.
Die bisherige Finanzierung deckt die gestiegenen Personal- und Betriebskosten nicht mehr ausreichend ab. Deshalb will der Freistaat mehr Geld direkt in die Kitas lenken und dafür unter anderem Familiengeld, Krippengeld sowie den Elternbeitragszuschuss umschichten. Der Zuschuss von 100 Euro pro Monat für Kindergartenkinder wird künftig nicht mehr direkt an die Eltern ausgezahlt, sondern auf alle Betreuungsformen verteilt.
Finanzielle Entlastung für die Träger
„Es ist gut, dass es eine finanzielle Entlastung für die Träger gibt. Die Fördergelder haben die Personal- und Betriebskosten nicht mehr abgedeckt“, sagt Eva Harmat. Sie ist Geschäftsführerin von Kinderland Plus, dem Träger von acht Kitas im Landkreis Erding. Unabhängig von der Reform würden die Beiträge in fast all ihren Einrichtungen zum 1. September angehoben. Ob die 100 Euro künftig an die Eltern quasi zurückgegeben werden können, sei noch offen. Harmat hält das jedoch für unwahrscheinlich.
Die Geschäftsführerin weiß gleichzeitig: Für die Eltern werde es zunehmend schwieriger, die Beiträge zu finanzieren. Das Jugendamt übernehme aber die Kosten für Eltern in einer finanziell prekären Situation, betont sie.
„Das ist Augenwischerei“, kritisiert Sandra Funke, Vorsitzende des Erdinger AWO-Kreisverbandes, der fünf Kindertagesstätten im Landkreis betreibt. Zwar stelle der Freistaat künftig mehr Geld für die Einrichtungen bereit, tatsächlich werde aber vor allem Geld umverteilt. „Viele Träger machen sich große Sorgen“, sagt Funke. Welche Auswirkungen die Reform letztlich habe, lasse sich derzeit noch gar nicht abschätzen.
Besonders kritisch sieht die AWO-Vorsitzende die Veränderungen bei der Elternförderung. Müssten Familien künftig rund 100 Euro monatlich mehr selbst tragen, bestehe die Gefahr, dass sie ihre Kinder seltener oder später in die Betreuung schicken. Das hätte auch Folgen für die Einrichtungen. „Dann verlieren wir Personal, statt dass wir welches gewinnen.“ Dadurch drohen unbesetzte Plätze und Stellenabbau. „Das ist kurzsichtig von der Regierung.“
Die Elternbeiträge seien bereits in die Wirtschaftsplanung eingerechnet. „Wir würden das Geld gerne an die Eltern weitergeben, doch uns als Träger sind die Hände gebunden“, sagte Funke. Ob mögliche Finanzierungslücken ausgeglichen werden, liege bei den jeweiligen Kommunen.
Anrufe von besorgten Eltern
Eine Erhöhung der Elternbeiträge sei derzeit nicht geplant, sagt Andrea Peis, Verwaltungsleiterin Kita-Verbund Erdinger Moos. „Unsere Elternbeiträge gehören bereits zu den niedrigsten im Landkreis Erding. Trotzdem möchten wir diese weiterhin stabil halten und die Familien entlasten.“ Das sei durch die Unterstützung der Gemeinden Oberding und Eitting möglich, die die Defizite der Einrichtungen mittragen.
Zum einen bringe die Reform einen höheren organisatorischen Aufwand mit sich, zum anderen „verändern sich die Rahmenbedingungen durch rückläufige Kinderzahlen“. Erst in einem Jahr könne Peis beurteilen, welche finanziellen Auswirkungen die neuen Regelungen tatsächlich haben werden.
„Uns ist aber bewusst, dass der Wegfall des bisherigen staatlichen Beitragszuschusses von 100 Euro für manche Familien trotzdem eine zusätzliche finanzielle Belastung darstellen kann“, so Peis. Sie und Harmat berichten gegenüber der Heimatzeitung von Anrufen besorgter Eltern.
Besorgt ist auch Julie Romic, verheiratete Mutter von zwei Kindern: „Wir machen uns jeden Monat Gedanken um die Gebühren“, sagt sie. Ihr Sohn Robin (3) besucht bereits den Kindergarten, ihre Tochter Stella (9 Monate) soll ab September 2027 in die Krippe gehen. Romic rechnet vor: Wenn beide die Kita besuchen, werden Gebühren von 915 Euro monatlich fällig. Selbst verdiene sie voraussichtlich rund 1100 Euro netto pro Monat als Empfangskraft. „Wenn allein die Betreuung fast mein komplettes Einkommen verschlingt, frage ich mich ernsthaft, wie Familien das noch stemmen sollen.“
Betreuung verschlingt Einkommen
Die 25-jährige Eichenkofenerin hat das Gefühl, „dass Familien immer mehr leisten sollen und gleichzeitig immer weniger Unterstützung bekommen“. Oft habe sie den Eindruck, sie müsse arbeiten, um sich die Betreuung leisten zu können. Romic wünscht sich, „dass sich Politik und Gesellschaft wieder bewusst machen, dass Kinder keine finanzielle Belastung sind, sondern unsere Zukunft“.
Da die Gemeinden die Defizite ihrer Kitas mitfinanzieren, hat die Reform auch Auswirkungen auf die kommunalen Haushalte. Von einer finanziellen Entlastung für die Kommunen spricht Wartenbergs Bürgermeister Christian Pröbst (CSU). „Um alle Kosten zu decken, reicht das Geld aber noch lange nicht aus.“ Die Elternbeiträge für das Kita-Jahr 2026/27 würden nicht weiter steigen.
Familienministerin Ulrike Scharf (CSU) verteidigt die Reform. Sie soll Bürokratie abbauen und bis 2030 drei Milliarden Euro zusätzlich in die Kinderbetreuung investieren. Die Elternbeiträge sollten dadurch sozialverträglich bleiben.
